The B-52s (1989)
IMAGO / Avalon.red
The B-52s (1989)
07.01.2026

Nie wirklich goodbye: Erstaunliche 80s Farewell-Touren

Die B-52s spielten Anfang 2023 ihre letzte Show. Eigentlich. So flexibel ist „Farewell“ im Pop. Hier sind acht Abschiedstouren von 80er-Acts, die eher ein „Bis bald“ als ein letzter Vorhang waren.

Ray Parker Jr. mit Ghostbusters

POP STORIES

POP STORIES

Das Podcast & Musikradio von 80s80s: die wichtigsten Hits der 80s und ihre Geschichten, erzählt von Peter Illmann.


Es läuft:
Ray Parker Jr. mit Ghostbusters

Welche 80er-Bands lieferten die enttäuschendsten Abschiedstouren ab?

Abschiedstouren haben immer etwas Theatralisches. Da schwingt Pathos mit, Nostalgie, manchmal eine Spur Tragik – und im Idealfall eine große Portion Dankbarkeit für die Fans, die ihre Bands über Jahrzehnte getragen haben. Immerhin kommen einige der 80er-Stars langsam deutlich ins Rentenalter, oder sind längst jenseits der 70 – teilweise gesundheitlich gebeutelt. Nun, der Lebensstil der Stars ist nicht immer ein Rezept für ein langes Leben.

Dass Abschiede im Pop selten endgültig sind, zeigen aktuell die The B-52s – die sich 2022 feierlich von der Bühne verabschiedet haben, nur um vier Jahre später wieder mit Devo durch die UK-Arenen zu ziehen. Ein Comeback, das perfekt in die lange Tradition der 80er-Acts passt, die ihren letzten Vorhang etwas… dehnbar auslegen.

Zumindest in der Theorie sollen diese Touren ein richtiges Geschenk an die Fans sein. In der Praxis allerdings sind „Farewell Tours“ oft weniger große Geste und mehr Marketingmaschine, ein Abschied, der sich emotional wie ein halbes „Vielleicht“ anfühlt. Gerade bei Acts, die in den 80ern Welthits abgeliefert haben und ins kollektive Popgedächtnis eingraviert sind, erwarten die Menschen eigentlich etwas anderes: Ein Finale, das sich wie ein echter Schlussakkord anhört. Manche liefern genau das – andere eher einen schiefen Ton, ein abruptes Verstummen oder ein Comeback, das die Dramatik des Abschieds im Nachhinein ad absurdum führt.

Gerade Bands aus den 80ern haben hier eine lange Tradition der… sagen wir mal: flexiblen Abschiede. Vielleicht liegt es am Jahrzehnt selbst, an dieser Ära der großen Bühnenshows (link: /live-season  und überlebensgroßen Pop-Persönlichkeiten. Wer in den 80ern gelernt hat, wie man eine Arena aus dem Stand zum Kochen bringt, der lässt sich nur ungern für immer davon verabschieden. Und so werden manche Abschiedstouren zu Mini-Dramen, zu absurden Kapiteln, die zwischen Selbstironie und Self-Sabotage pendeln. Mal fehlen die Fans. Mal die Energie. Mal das Timing. Mal schlicht die Konsequenz.

Wir haben uns deshalb durch die kuriosesten, widersprüchlichsten und schlicht schlechtesten Abschiedstouren von 80er-Acts gewühlt. Acht Beispiele, bei denen man sagen kann: Abschied kann vieles sein – würdevoll, ergreifend, unfreiwillig komisch, aber manchmal eben auch einfach… schlecht.

Heute schon für den 80s80s Countdown abgestimmt?

Spandau Ballet - Through the Barricades
Spandau Ballet - Through the Barricades

Platz 8 – Spandau Ballet (1990)

Spandau Ballet verabschiedeten sich einst mit viel britischer Höflichkeit, nur um später festzustellen, dass ein Abschied ohne Drama irgendwie langweilig ist. Also kam die Reunion, ganz unaufgeregt, fast wie ein zweiter Kaffee am Nachmittag. Damit wirkt ihr „Farewell“-Moment heute wie eine harmlose Fußnote im Pop-Geschichtsbuch. Und die Dramen, die kamen dann später.

The Go-Go's - Our Lips Are Sealed (Official Music Video)
The Go-Go's - Our Lips Are Sealed (Official Music Video)

Platz 7 – The Go-Go’s (2010)

Die Go-Go’s haben 2010 mit voller Girl-Power erklärt, dass jetzt Schluss ist – zumindest für ein paar Jahre. Dann merkten sie wohl, dass das Tourleben doch mehr Spaß macht als gedacht, und standen plötzlich wieder auf den Bühnen. Der Abschied wirkte damit wie ein etwas übermotivierter Neujahrsvorsatz. Süß gemeint, aber absolut nicht durchgezogen.

Whitesnake - Here I Go Again '87 (Official Music Video)
Whitesnake - Here I Go Again '87 (Official Music Video)

Platz 6 – Whitesnake (1997)

„Last Hurrah“ – ja klar. David Coverdale und Co. verabschiedeten sich mit Pathos, nur um später komplett routiniert wieder auf Tour zu gehen, als wäre nie irgendwas gewesen. Ihr „Abschied“ fühlt sich deshalb eher an wie ein Kurzurlaub mit automatischer Rückkehr. Überschaubar dramatisch, aber marketingmäßig ein ziemlicher Fehlpass. Übrigens: David Coverdale hat sich 2025 wirklich zurückgezogen, endgültig.

Twisted Sister - We're Not Gonna Take It (Official Music Video)
Twisted Sister - We're Not Gonna Take It (Official Music Video)

Platz 5 – Twisted Sister (2016)

Twisted Sister machten 2016 einen lauten, nach Bier und Lederjacke riechenden Abgang, natürlich mit dem nötigen „F*** it“-Gestus. Doch die Tür blieb offen, und im Nachhinein wirkt der große Abgang eher wie ein trotzig hingeknalltes „Ich bin dann mal weg… vielleicht.“ Fans waren kurz gerührt und dann irritiert. Ein Abschied, der überraschend wenig Haltung bewies. Aktuell verabschieden sich Twisted Sister wieder.

Cyndi Lauper - Time After Time (Official HD Video)
Cyndi Lauper - Time After Time (Official HD Video)

Platz 4 – Cyndi Lauper (2025)

Cyndi Lauper kündigte ihre Farewell Tour mit viel Emotion an und erklärte dann im Nebensatz, dass „farewell“ eigentlich nicht „farewell-farewell“ bedeutet. Ein Abschied, der weniger Tränen als Stirnrunzeln auslöste. Am Ende blieb das Gefühl, dass hier niemand so genau wusste, wie endgültig das Ganze überhaupt sein sollte.

Ozzy Osbourne - Crazy Train (Live)
Ozzy Osbourne - Crazy Train (Live)

Platz 3 – Ozzy Osbourne (1992)

Ozzy Osbourne hat 1992 mit großen Lettern verkündet, dass er nie wieder touren werde. Drei Jahre später war er zurück: gesund, motiviert und offensichtlich wenig beeindruckt von seinem eigenen Abschied. „No More Tours“ wurde damit zur wohl ironischsten Touridee der 90er. Tatsächlich ging es bis 2025 weiter auf die Bühne.

Cher - If I Could Turn Back Time (Official Video)
Cher - If I Could Turn Back Time (Official Video)

Platz 2 – Cher (2005)

Chers „Farewell Tour“ dauerte länger als manche Karrieren anderer Künstler von 2002 bis 2005 und kam mit Bonusrunden, TV-Specials und gefühlt monatlichen Verlängerungen. Wer hier Tränen vergoss, hatte reichlich Zeit dazu: Die Tour zog und zog sich wie ein Netflix-Serienfinale mit zu vielen Rückblenden. Und am Ende gab's natürlich wieder neue Live-Pläne. Chers Abschied ist bis heute eher ein Konzept als ein tatsächliches Ereignis.

KISS - I Was Made For Lovin' You (Live At Dodger Stadium 1998)
KISS - I Was Made For Lovin' You (Live At Dodger Stadium 1998)

Platz 1 – KISS

KISS haben nicht nur eine Abschiedstour gemacht, sondern aus Abschiedstouren ein eigenes Geschäftsmodell entwickelt. 2000 sollte endgültig Schluss sein – tja, war’s aber nicht. Seitdem verabschieden sie sich mit der Regelmäßigkeit von Feiertagen, aber mit deutlich mehr Pyro. Ace Frehley verstarb vor wenigen Wochen. Aber dennoch inszeniert keine Band „Goodbye“ so konsequent inkonsequent wie KISS und deshalb gehören sie ungeschlagen auf Platz 1.

NEU: Peters Popstories - der Podcast!