O.K.
ZDF via Youtube
O.K.
11.12.2025

O.K. müssen wiederentdeckt werden!

Das Internet hat den 80er-Soundtüftler Marcus Gabler nicht gut behandelt. Sein "Found Music"-Hit "Okay!" droht unterzugehen.

Lady Bee, Bruce & Bongo mit Geil

DANCE

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Ein eigenes Radio nur für die Dancefloor Banger der 80ies. Alle Essantials, alle Floorfiller, alles tanzbar. Dance, Wave, Synthie Pop, Rap und Freestyle. 


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Lady Bee, Bruce & Bongo mit Geil

Warum ist der 80er-Hit „Okay!“ von Marcus Gabler heute so schwer zu finden?

1987, irgendwo in einem Frankfurter Homestudio: Marcus Gabler sitzt zwischen Tonbandgeräten, TV-Mitschnitten und Casio-Samplern. Zwischen einem Nachrichtensprecher, einem WM-Kommentar von 1954 und einem Satz von Kermit dem Frosch blitzt plötzlich ein Sound auf, der alles verändert: ein überdrehtes "Okay!", zerhackte Loops, fiepende Synths. Ein Jahr später tanzt ganz Europa dazu. Der Song wird vergoldet, stürmt die Top 10 in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Doch heute kennt ihn kaum noch jemand. Wie kann das sein?

BREAKING NEWS! What Happened With Synth Pop Band Okay? Singer Mr. Gabler Is BACK From A Long Hiatus
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Der Mann hinter dem Song

Marcus Gabler war nie ein typischer Popstar. Kein Gesicht auf Bravo-Postern, keine Live-Auftritte mit Nebelmaschine. Stattdessen: ein Produzent, der sein Glück im Sampling fand. Als Teil des Projekts O.K. entwickelte er eine Musikvision, die irgendwo zwischen Satire, Club und Kunstperformance rangierte.

"Okay!" war der erste große Wurf, ein Track, der nur scheinbar aus Quatsch bestand, tatsächlich aber ein Paradebeispiel für das "Found Music"-Prinzip war. Found Music bedeutet: Musik aus Zufallsfunden. Geräusche, Satzfetzen, Stimmen aus TV oder Radio werden aufgenommen, neu zusammengesetzt, verfremdet.

Brian Eno -- David Byrne - My Life In The Bush Of Ghosts - A1 - America Is Waiting
Brian Eno -- David Byrne - My Life In The Bush Of Ghosts - A1 - America Is Waiting

Die Technik ist spätestens seit Brian Eno und David Byrne legendär

Aber auch The Cure nutzten sie: Ihr Song "Pornography" beginnt mit einem mysteriösen TV-Sample – eine hitzige Debatte über Pornografie, die zufällig lief, als Robert Smith und Produzent Phil Thornalley das Radio anschalteten.

Auch Marcus Gabler ließ sich von dieser Technik inspirieren – aber auf seine ganz eigene Weise: mit einem Augenzwinkern, mit deutschen Medienfetzen, mit einem Rhythmus, der wie gemacht war für den Dancefloor.

Heute schon für den 80s80s Countdown abgestimmt?

Marcus Gabler verwandelte sein Tonarchiv in ein schrilles, verspieltes Hörspiel für den Dancefloor.

Mit dabei: Kermit der Frosch, der in seiner unnachahmlich freundlichen Stimme sagt: "Das Allerschönste, was Füße tun können, ist tanzen." – eine Zeile, die wie gemacht ist für die Tanzfläche. Karl-Heinz Köpcke, der legendäre Tagesschau-Sprecher, taucht ebenso auf wie ein Fußball-Kommentar von der WM 1954, als Deutschland das "Wunder von Bern" erlebte. Dazu flackern kurze Tonfetzen aus "Aktenzeichen XY… ungelöst", alte Werbeclips, Kinderhörspiele und Radiomitschnitte durch das Arrangement – alles in Sekundenbruchteilen, geschickt geloopt, verzerrt und in einen elektronischen Beat gepresst. Das Ergebnis: ein Track, der so klingt, als hätte jemand die deutsche Medienlandschaft der 80er durch einen Sampler gejagt – und daraus einen Hit gebastelt. Irritierend, clever, catchy. Marcus Gabler sammelte Sounds wie andere Briefmarken. Das Ergebnis ist eine Art surrealer Audio-Collage – hektisch, verspielt, voller Zitate. Und: tanzbar. Im Sommer 1988 wurde "Okay!" ein Überraschungshit in ganz Europa. Die Musikpresse sprach von der "deutschen Antwort auf Art of Noise".

Okay! (Mixed Media Edit)
Okay! (Mixed Media Edit)

Warum ist der Song heute fast vergessen?

Das liegt zum Teil am Internet selbst. Der Bandname O.K. ist aus algorithmischer Sicht eine Katastrophe, viel zu generisch. Wer O.K. googelt, landet bei Emojis, Zustimmungsfloskeln oder Airline-Supportseiten, aber nicht bei Marcus Gabler.

Hinzu kommen fragmentierte Credits: mal ist die Band als Okay gelistet, mal als O.K., mal wird Marcus Gabler einzeln aufgeführt. Rechteklärung für die vielen Samples ist kompliziert. Streamingdienste meiden solche Tracks lieber.

Selbst eine Wiederveröffentlichung 2024, auf der ZYX-Compilation "German Electro Tracks", konnte daran nichts ändern. Die Kuratoren hofften auf ein digitales Comeback. Das blieb jedoch aus.

Dabei wäre der Song "Okay!" heute so relevant wie nie. Der Track ist geradezu gemacht für eine neue Generation von DJs, Cuttern und TikTok-Kids. Die Sample-Snippets sind kurz, prägnant, einprägsam. Die Hook bleibt sofort im Ohr. Wer heute "Okay!" hört, entdeckt darin ein Stück deutscher Popkulturgeschichte, aber auch eine kreative Energie, die ihrer Zeit weit voraus war. Der Song muss zurück auf die Agenda der 80er-Fans!

O.K. 1988 in der ZDF Hitparade

O.K. - Okay (ZDF Hitparade 20.04.1988) [HD 50FPS]
O.K. - Okay (ZDF Hitparade 20.04.1988) [HD 50FPS]

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