David Bowies 80er-Jahre werden oft auf Schlagworte reduziert: große Hits, glatter Sound, MTV. Tatsächlich hat Bowie diese Phase sehr bewusst gestaltet. „Let’s Dance“ war kein Ausrutscher, sondern ein klarer Schnitt. Mit Nile Rodgers holte er sich jemanden ins Studio, der Funk, Pop und Clubkultur verstand und Songs bauen konnte, die weltweit funktionieren. Das Ergebnis war kein Kompromiss, sondern ein präzise gemachtes Popalbum, das Bowie zurück ins Zentrum der Popmusik brachte.
Gleichzeitig dachte er Musik, Bild und Öffentlichkeit zusammen. Die Videos zu „Let’s Dance“ oder „China Girl“ liefen in Dauerschleife auf MTV, Bowie nutzte Mode, Styling und Performance gezielt mit. Er wurde sichtbarer als je zuvor, ohne dabei die Zügel aus der Hand zu geben. Auch spätere 80er-Alben wie „Tonight“ oder „Never Let Me Down“ zeigen diesen Zugriff: David Bowie wollte wissen, wie Pop in dieser Zeit klingt, aussieht und verbreitet wird.
Dieses Wissen war entscheidend für alles, was danach kam. Als Bowie in den 90ern mit „Outside“ bewusst wieder in sperrigere Räume ging, tat er das mit dem Erfahrungsschatz eines Künstlers, der das Pop-Mainstream-Spiel von innen kannte. Auch „The Next Day“ und „Blackstar“ profitieren davon: reduzierte Öffentlichkeitsarbeit, kontrollierte Bilder, klare Entscheidungen, was gesagt wird und was nicht. Die Freiheit der späten Jahre fällt nicht vom Himmel. Sie ist das Ergebnis dessen, was David Bowie sich in den 80ern erarbeitet hat.